Inhalt
Ausstellung im 5. Stock
Landschaften und Freundschaften
Hermann Gattiker und Isabelle Dillier
Hermann Gattiker (1865–1950) zählt zu den prägenden Figuren der modernen Kunstgeschichte Rüschlikons. Der Maler, Radierer und Zeichner liess sich 1899 im Dorf nieder, unterrichtete zahlreiche Schülerinnen und gründete eine Künstlerkolonie. Sein 1904 selbst entworfenes Wohnhaus an der Langhaldenstrasse gilt als frühes Beispiel mediterraner Architektur in der Schweiz.

Bild: Park im Grüene, Rüschlikon, 1940/1946,
(v.l.n.r.) Gottlieb Duttweiler, Hermann Gattiker und Isabelle Dillier

Bild: Hermann Gattikers Haus an der Langhaldenstrasse.
1934 begann Isabelle Dillier (1913–2011), eine ehemalige Schülerin von Sophie Taeuber-Arp, bei Gattiker zu studieren. Aus dem Meister-Schülerinverhältnis entwickelte sich eine enge künstlerische Arbeitsgemeinschaft, die bis zu Gattikers Tod bestand. Gemeinsam unternahmen sie Studienreisen nach Italien und in die Provence; einzelne Werke entstanden in enger Zusammenarbeit und wurden gemeinsam signiert. Ab 1942 lebte Isabelle Dillier mit ihrem Ehemann und Hermann Gattiker in dessen Haus. Nach Gattikers Tod im Jahr 1950 löste sie sich von seinem Einfluss und entwickelte einen zunehmend zeitgenössischen, eigenständigen Malstil.

Bild: Isabelle Dillier, Schiessstand, Rüschlikon,
Öl, 86 x 66 cm
Anna Hug und Gret Widmann
Anna Hug (1875–1951) und Gret Widmann (1875–1931) prägten das künstlerische Leben Rüschlikons über Jahrzehnte. Die beiden Malerinnen waren eng befreundet, arbeiteten im gemeinsamen Atelier und unternahmen zahlreiche Malreisen nach Holland, Schleswig-Holstein, Italien und an die Nordsee. Ihre künstlerische Nähe war so gross, dass sich manche Werke heute kaum eindeutig zuordnen lassen – zumal viele nicht signiert sind. In ihrer Motivwahl, Maltechnik und sogar in ihrer äusseren Erscheinung zeigen sich bemerkenswerte Parallelen, die von einer aussergewöhnlichen Seelenverwandtschaft zeugen.

Bild: Anna Hug, Sylt, Wenningstedt, 1922,
Aquarell, 17 x 24 cm
Anna Hug, Tochter der Zürcher Unternehmerfamilie Musik Hug, zog 1919 nach Rüschlikon und förderte zahlreiche Kunstschaffende. Gret Widmann, geboren als Klara Margarethe Meyer, lebte bereits seit 1899 in Rüschlikon und war neben ihrer Tätigkeit als Malerin auch als Illustratorin und Porträtfotografin bekannt. Ihre Fotografien von Hermann Hesse gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen ihres Werks.

Bilder: Gret Widmann, Fotografien Hermann Hesse, 1929
Fritz Widmann
Fritz (Friedrich) Widmann (1869–1937), Ehemann von Gret Widmann, Sohn des Berner Schriftstellers und Redakteurs Josef Victor Widmann, studiert in Bern, Karlsruhe und München. 1899 zieht er mit seiner Frau nach Rüschlikon. Er ist befreundet mit Hermann Gattiker und Hans Sturzenegger sowie mit Ferdinand Hodler, dessen Biographie er 1918 schreibt. Widmann illustriert Bücher seines Vaters und arbeitet auch als Feuilletonist bei der «Neuen Zürcher Zeitung». Italienreise mit Hermann Hesse und Othmar Schoeck. Widmann ist v.a. Landschaftsmaler.

Bild: Fritz Widmann in seinem Atelier
Marian Brown
Marian Brown (1913–1995) steht in der Tradition einer bedeutenden Rüschliker Künstlerfamilie: Sie ist die Nichte der Bildhauerin Margrit Gsell-Heer und Nachfahrin des Schriftstellers J. C. Heer. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Landschaftsbilder in Öl, Acryl, Mischtechnik und Aquarell. Ihre Werke entstanden auf zahlreichen Studienreisen und spiegeln die Vielfalt der von ihr erlebten Landschaften wider – von Schweizer Bergwelten bis zu Küsten und Städten im Ausland. 1978 war sie mit ihren Arbeiten an der grossen Rüschliker Ausstellung «Im Mittelpunkt der Mensch» im Gottlieb-Duttweiler-Institut vertreten.

Bild (v.l.n.r): Isabelle Dillier, Robert Borer, Marian Brown und Dora Raustein anlässlich der Ausstellung 1978 «Im Mittelpunkt der Mensch». Thalwiler Anzeiger, April 1978
Margrit Gsell-Heer
Margrit Gsell-Heer (1887–1967) war Bildhauerin und eine der bedeutendsten Künstlerinnen Rüschlikons. Als Tochter des Schriftstellers J. C. Heer erhielt sie ihre Ausbildung an der Münchner Damenakademie und wandte sich nach ersten Jahren als Malerin der Bildhauerei zu. Seit 1932 lebte sie in Rüschlikon und richtete sich 1935 im Haus Gruebstai ein eigenes Atelier ein. Sie stellte in Zürich und Paris aus, war Präsidentin der Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen und erhielt 1957 den Prix de la Sculpture in Paris. Die beiden Plastiken aus Bronze "Holzfäller" im Öttikergut und die "Badende" am Hafen prägen bis heute das Ortsbild von Rüschlikon.

Bild: Margrit Gsell-Heer, Badende, 1957, Bronze,
Hafen Rüschlikon. Foto: Erika Schmid
Dora Raustein
Dora Raustein (1900–1987) wurde in Zürich geboren und erhielt eine internationale Ausbildung. Nach einer Afrikareise finanzierte und begleitete sie in den 1930er-Jahren die Dreharbeiten zum Dokumentarfilm Safari. Ab den 1940er-Jahren wandte sie sich der Bildhauerei zu, war Schülerin bei Hermann Haller in Zürich und schuf erste eigene Werke auf Capri. Seit 1952 lebte sie in Rüschlikon, wo sie das kulturelle Leben mitprägte. 1962 Ausstellung in der Turnhalle Rüschlikon mit Werken von Willy F. Burger, Isabelle Dillier, Margrit Gsell-Heer, Paul Leber, Dora Raustein, Werner Weber und Fritz Urban Welti. 1978 Ausstellung im GDI mit Isabelle Dillier und Marian Brown. Mehrere ihrer Plastiken wurden von der Gemeinde angekauft: "Sitzendes Mädchen", 1954, Oettikergut, "Stehende mit erhobenen Armen", 1954, Suntenau, "Junges Mädchen mit Vogel", 1965, Hintergasse und der "Fischreiher", 1979, der im Abegg Huus den Brunnen schmückt.

Bild: Dora Raustein, Fischreiher, 1978, Bronze,
Abegg Huus Rüschlikon. Foto: Erika Schmid
Fritz Butz
Fritz Butz (1909–1989) war ein erfolgreicher Grafiker, Illustrator, Bühnenbildner und Maler. Nach seinem Studium in Stuttgart lebte und arbeitete er über längere Zeit in Rüschlikon. Er wurde mit Arbeiten für die Confiserie Sprüngli, als Bühnenbildner für das Cabaret Cornichon und zahlreichen Theaterproduktionen bekannt. 1933 heiratete er Gret Bucherer, der ersten diplomierten Schaufenster Dekorateurin der Schweiz; Trauzeuge war Alois Carigiet. Sie lebten in einem kulturell geprägten Umfeld, in dem Persönlichkeiten wie Hermann Hesse oder Gottlieb Duttweiler verkehrten. Butz widmete sich neben seiner erfolgreichen Gebrauchsgrafik leidenschaftlich der Malerei. Seine farbenfrohen Landschaften und Reiseskizzen zeichnen sich durch Leichtigkeit, Optimismus und ein feines Gespür für Licht und Atmosphäre aus.

Bild: Fritz Butz in San Miguel de Allende, 1983,
am Skizzieren. Foto: Ehrensperger-Butz
Willi Friedrich Burger
Willy F. Burger (1882-1964) war ein Schweizer Grafiker, Plakat- und Kunstmaler, Zeichner, Illustrator und Lithograf. Nach einer Lithografen Lehre studierte er an der Kunstgewerbeschule Zürich und der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Es folgten Studienaufenthalte in Deutschland, England und den USA. Seit 1913 arbeitete er in Rüschlikon. Seinen hohen Bekanntheitsgrad erwarb sich Burger mit rund 30 Plakaten, die er insbesondere für Schweiz Tourismus, vom Entwurf als Aquarell oder mit Gouache Farben auf Papier bis zur Lithografie mit Steinplatten konzipierte, gestaltete und umsetzte.
Weitere Informationen zu Willy F. Burger: Ausstellung im 3. Stock Abegg Huus sowie auf der entsprechenden Seite >>

Bild: Willi Burger in seinem Ateliers
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Abegg Huus, Alte Landstrasse 68, 8803 Rüschlikon


